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Halsschmerzen: Diagnose

Bei Halsschmerzen ermitteln Ärzte die Diagnose meistens klinisch. Klinische Tests und weitere Untersuchungen können Therapieentscheidungen stützen
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 09.03.2017

Behutsame Kontrolle: Bei einer Halsentzündung ist die Zunge oft belegt

Image Source/ RYF

Körperliche Untersuchung: Das berühmte "A-A-A"

Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und die genauen Beschwerden des Patienten (Anamnese). Er schätzt seinen Gesundheitszustand ein und untersucht ihn gründlich. Dabei betrachtet er – außer bei Verdacht auf eine Kehldeckelentzündung – den Mund und Rachen mit einer Lichtquelle und einem Holzspatel. Der Patient sagt das berühmte "A-A-A", sodass der Zungengrund absinkt und der Gaumen mit den Mandeln besser zum Vorschein kommt.

Der Rachen zeigt sich bei einer Pharyngitis unterschiedlich stark gerötet, die Zunge oft belegt. Die Mandeln können rötlich und geschwollen aussehen (Angina catarrhalis), mit eitrigen Stippchen übersät sein (Angina follicularis) oder einen zusammenfließenden Belag (Angina lacunaris) aufweisen. Manchmal reicht er über die Mandeln hinaus. Die Rachen- und / oder Mandelentzündung kann ein- oder beidseitig auftreten.

Mund und Rachen können noch weitere Besonderheiten aufweisen. Zum Beispiel sind für die Diphtherie fest an den Mandeln haftende graue Beläge kennzeichnend. Beim Versuch, diese zu entfernen, blutet es. Für Scharlach ist unter anderem die sogenannte Himbeer- oder Erdbeerzunge typisch. Bei der einseitigen Angina Plaut-Vincent weist eine Gaumenmandel ein Geschwür mit einem grau-grünen, übelriechenden Belag auf. Überhaupt deutet ein durchdringender Mundgeruch häufig auf eine Mandelentzündung hin.

Der Arzt untersucht den Hals außen und den Nacken im Hinblick auf vergrößerte Lymphknoten. Er hört Herz und Lungen mit dem Stethoskop ab, checkt innere Organe wie die Leber und Milz, indem er den Bauch vorsichtig betastet, betrachtet die Augen und die Haut. Typisch wiederum bei Scharlach: Etwa zwei Tage, nachdem Fieber eingesetzt hat, zeigt sich der samtig erscheinende, kleinfleckige, meist juckende Hautausschlag am ganzen Körper, mit Betonung in den Achseln, Leistenbeugen und innen an den Oberschenkeln. Mund und Nase dagegen bilden ein blasses Dreieck.

Nach diesem Durchgang lässt sich meist schon einschätzen, ob eine "komplizierte" Erkrankung vorliegt oder nicht. Ein Befund- und Punkte-Katalog wie der sogenannte Centor-Score ermöglicht es, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit beispielsweise eine Streptokokken-A-Mandelentzündung von einer virusbedingten Entzündung zu unterscheiden und das weitere Vorgehen zu planen: zusätzliche diagnostische Maßnahmen, insbesondere die Untersuchung eines Rachenabstriches ja oder nein, je nach Ergebnis Antibiotikum ja oder nein.

Nur in besonderen Fällen: Spezielle Untersuchungen

Manchmal ergibt sich die Notwendigkeit, den Betroffenen an andere Ärzte zu überweisen, etwa einen Facharzt für Hals-Nasen-Ohren (HNO-)Heilkunde. Der HNO-Arzt führt zunächst eine möglichst sorgfältige Inspektion (Spiegeluntersuchung) durch. Falls notwendig, entnimmt er einen Rachen- oder Nasen-Rachenabstrich zur Untersuchung im Labor einschließlich Bakterienkultur. Weitere diagnostische Verfahren, etwa eine Kehlkopfspiegelung, sind besonderen Fragestellungen vorbehalten.

Besteht Verdacht auf ein Pfeiffersches Drüsenfieber, führen Blutuntersuchungen mit einem großem Blutbild und einem Antikörpertest auf die Spur. Manchmal sind eine Wiederholung oder ergänzende Tests notwendig. Geeignete Untersuchungen lassen bei Bedarf auch erkennen, ob eine andere Krankheit vorliegt.

Bei Komplikationen wie einem Mandelabszess (siehe dazu auch Kapitel "Halsschmerzen: Komplikationen" in diesem Beitrag) zeigt sich bei der Inspektion des Rachens zum Beispiel die erkrankte Mandel dick geschwollen, gerötet und mit Eiterschlieren belegt und daneben eine Vorwölbung am Gaumen. Das ebenfalls verdickte Gaumenzäpfchen kann zur Gegenseite abweichen. Je nach Befund ist ergänzend ein bildgebendes Verfahren wie zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung nötig. Die genaue Diagnostik und umgehend notwendige Behandlung erfolgt in der HNO-Klinik.

Vermutet der Arzt einen Tumor im Rachenbereich, wird er in der Regel die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) zur feingeweblichen Untersuchung veranlassen. Weitere, auch bildgebende Untersuchungen dienen zur Festlegung des Erkrankungsstadiums und der entsprechenden Therapie.

Sprechen die Anamnese und Untersuchungsbefunde für eine besondere Form der Halsentzündung, etwa infolge einer Schädigung weißer Blutkörperchen (Agranulozytose), wird ein Spezialist für Bluterkrankungen (Hämatologe) den Patienten vorübergehend betreuen. Möglicherweise wird er eine Probeentnahme (Biopsie) aus dem Knochenmark empfehlen. Dieses bildet die weißen und roten Blutzellen sowie die Blutplättchen. Der Hämatologe erkennt etwa, ob tatsächlich die Zellreihe der weißen Blutkörperchen in typischer Weise betroffen ist.

Die Schilddrüse wird im Allgemeinen mittels Labortests, einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie), gegebenenfalls einer Szintigrafie (eine nuklearmedizinische Untersuchungsmethode) und eventuell anhand einer Zell-Diagnostik (Entnahme als eine Feinnnadelpunktion) überprüft. Daran orientiert sich auch die Therapie. Dies koordiniert ein Endokrinologe in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt.

Ob vielleicht eine Refluxkrankheit (siehe unter "Sodbrennen") vorliegt, klärt ein Magen-Darm-Spezialist (Gastroenterologe) ab. Er entscheidet in Abstimmung mit dem Hausarzt, ob beispielsweise eine Magenspiegelung notwendig ist. Im Vorfeld kann eine Medikamentenbehandlung mit einem sogenannten Protonenpumpenhemmer dem Arzt Aufschluss darüber geben, ob die Beschwerden auf einen Reflux zurückzuführen sind. Davon ist auszugehen, wenn sie sich auf das Medikament hin bessern. Sicherheitshalber wird der Arzt zuvor auch ausschließen, dass nicht etwa Herzbeschwerden dahinterstecken.

Bei einer Geschlechtskrankheit ist im Allgemeinen ein Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, eventuell auch ein Urologe oder Gynäkologe, gefragt. Die Diagnose ergibt sich hier zum Beispiel aus der Blickdiagnose und aus Abstrichen, die im Urogenitalbereich entnommen und mikroskopisch untersucht werden können, bei der Syphilis auch aus Antikörpertests im Blut.



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